Aufregend! Jan Feddersen hat es geschafft, den Hass der gesamten Transtwitter-Community auf sich zu ziehen. Also jene Menschen, die nach Möglichkeit gar nicht rausgehen, um Verletzungen zu vermeiden, dafür aber Tag und Nacht im Social Web lauern, um Transhass ausfindig zu machen und gegen ihn “argumentativ” anzugehen.

Stein des Anstoßes ist die ursprünglich für den 17. März (St. Patricks Day!) geplante Veranstaltung Transgender: Geschlechtergerechtigkeit passé?. Hier sollten eventuelle Widersprüche zwischen Frauen-, Trans*- und Homobewegung diskutiert werden. Drüber reden, Fakten nennen, Neues lernen, dagegen sollte eigentlich nichts einzuwenden sein. Die Trans*Aktivist_innen sehen das offensichtlich anders. Anscheinend war mal wieder irgendetwas unsensibel.

Die Argumente der Aktivist_innen sind sehr schlagkräftig, weil einseitig. Nur keine queere Vielfalt! Man wirft dem Gegenüber einfach vor, ein Nazi zu sein. Weil das allerdings strafbar ist, wenn das Gegenüber ganz offensichtlich kein Nazi ist, rückt man ihn oder sie (mehr Geschlechter sind bei uns Binärfaschisten nicht nötig) ganz modern kontextfrei in die Nähe der AfD oder bezeichnet die Person als „reaktionär“.

Nun hat Nicolás Gómez Dávila, bekannterweise der Vordenker einer reaktionären Ideologie, zwar schöne Gedichte geschrieben, gleichwohl ist diese Ideologie doch ein wenig aus der Zeit gefallen und es ist vermutlich kein Zufall, dass es eher weniger Anhänger/innen seiner Ideologie gibt. Die Ideologie-Trolle Lyzis Welt und Justus Wertmüller, schlau und feuilletonistisch wie Dávila, beide nicht reaktionär, sondern langweilig-sozialdemokratisch, sind ja auch eher Nischen-Denker (nicht gegendert) und werden angefeindet. Oder eben Broder, der erst kürzlich von Jakob Augstein zum Abschuss freigegeben wurde. Dazwischen-sein kommt in Deutschland nie gut an.

Dazwischen-sein darf nach Ansicht der Trans*Aktivist_innen nur, wer irgendwas mit Genitalien und Hormonen zu tun hat. Wer hingegen argumentativ Dazwischen-ist und um Differenzierung in dem Trans*-Diskurs bittet, ist eben reaktionär, AfD, Faschist, vom anderen Ufer, Nazi. So einfach ist das.

Die Situation ist aufgeheizt. Die Wahl in Hamburg hat gezeigt, dass ein Rechtsruck praktisch unmittelbar bevorsteht. Wir konservativen Aktivisten haben schon unsere Schlagringe eingepackt und warten eigentlich nur auf den Showdown im tazcafé.

Der muss nun leider ausfallen. Nein, nicht, weil sich die taz nun dem öffentlichen Twitter-Druck gebeugt hat und die Veranstaltung „intern noch einmal diskutiert“ und möglicherweise sogar absagt! Sondern, weil zu erwarten ist, dass von den hunderttausend Empörten höchstens fünf den Mut finden, das Haus zu verlassen.

Man sieht es ja schon an Ober-Aktivist Linus Giese: zu faul, um in den Kraftraum zu gehen, um sein Testo in die Höhe zu schrauben, Tabletten sind ganz einfach der modernere Weg in die neue binäre rosablaue Vielfalt. Den ollen reaktionären Regenbogen braucht heutzutage doch kein Mensch mehr.

Bild: Rainbow Flag / Mike McBey / CC-BY


Es gibt inzwischen eine prägnante Gegenmeinung: die Trans*Aktivistin, Kabarettistin und „vegane Domina“ Michaela Dudley hat bei der Siegessäule kommentiert. Sie legt nahe, dass die Veranstaltung die physische Sicherheit von Trans*Personen gefährde. Ein guter Überblick mit interessanten Leserkommentaren findet sich beim Tagesspiegel.

Auf der Webseite des Deutschen Ethikrates kann man sich zum Knackpunktthema Trans-Identität bei Kindern und Jugendlichen einlesen.

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